Ich freue mich, wenn Sie hier einen Eintrag in mein Gästebuch schreiben.
Jutta dos Santos Miquelino
schrieb am Februar 18, 2017
Vor 3 Jahren entschied ich mich dazu, mir einen jungen Lusitano zu kaufen und selbst auszubilden. Ich war fasziniert von der Arbeit von Manuel Jorge de Oliveira. Schließlich fiel die Wahl auf einen schlanken und hochbeinigen Lusitano aus einer benachbarten Zucht. Fuego stammt aus einer alten und feinen Blutlinie, aus der auch Oxidado, das Erfolgspferd von Pedro Torres oder Rubi AR, einst das bestplatzierte iberischen Pferd in der Dressur-Weltrangliste, hervorgegangen sind. Manuel Jorge bot mir an, das Pferd noch einige Monate in seinem Stall in Cartaxo in Beritt zu lassen und mich zu unterrichten, wenn er in Portugal vor Ort ist. In den nächsten 8 Monaten verbrachte ich 6 Wochen in Cartaxo und wurde täglich von Manuel auf seinen ausgebildeten Pferden und auf Fuego unterrichtet. Diese Zeit gehört zu den wertvollsten Erfahrungen meines Lebens. Nie zuvor hatte ich so fein gerittene Pferden gespürt, die mit Leichtigkeit fliegende Wechsel, Piaffen und Passagen ausführten und die ich schließlich sogar im Galopp in Seitengängen reiten konnte, ohne dass mich je zuvor ein anderer Lehrer darin unterrichtet hätte. Gleichzeitig wurde mir klar, welch langer Weg in meiner reiterlichen Ausbildung noch vor mir lag. Er erläuterte mit vielen bildhaften Beispielen seine Philosophie und seinen Weg, die Pferde zu gymnastizieren, über den Rücken zu arbeiten und Schritt für Schritt ihre Balance finden zu lassen. Unter Manuels Anleitung ritt ich Fuego damals Schritt, Trab und Galopp. Als Fuego dann nach Deutschland kam, wendete sich das Blatt. Er benahm sich völlig anders als in Cartaxo, war extrem ängstlich, tanzte beim Führen an der Hand und war kaum zu Longieren. Mein Reitlehrer, der sich mit Lusitanos nicht auskannte, war schnell überfordert und so wechselte ich zu einer Trainerin, die im Umgang mit der Rasse erfahren war. Doch auch sie stellte schnell fest, dass Fuego für sie das schwierigste Pferd war, das sie je kennengelernt hatte und sie ungeahnt herausforderte. Mit der Ausbildung von Fuego kamen wir deutlich langsamer voran, als ich es mir vorgestellt hatte und durch meine Unerfahrenheit hatten wir auch einige herbe Rückschläge zu verkraften. Doch mit der Zeit fanden Fuego und ich über die Bodenarbeit und Arbeit an der Hand zueinander. Nur beim Reiten konnte ich ihn nicht für mich gewinnen und ich sehnte mich von Herzen nach Unterricht bei Manuel. Über eineinhalb Jahre ging ich mit Fuego den Weg, den unsere Dressurlehrerin anbot, doch wir fanden beim Reiten nicht zueinander. Isabella Sonntag empfahl mir dann, Unterricht bei Nadja Krumbiegel zu nehmen, da sie dazu in der Lage wäre, im Spirit von Manuel zu unterrichten. Ich ließ mir etwas Zeit damit, doch dann rief ich Nadja an und bat sie, mich in der meditativen Art und Weise zu unterrichten, wie ich es kennen und lieben gelernt hatte. Sie sagte kurzer Hand zu. In der ersten Stunde war ich sehr aufgeregt und ich konnte Fuego weder vernünftig auf dem Hufschlag reiten, noch korrekt anhalten, geschweige denn rückwärts richten. Fuego interessierte sich deutlich mehr für alles, was um uns herum passierte, als für mich. Doch ihre Anweisungen waren praktisch identisch mit denen, wie Manuel uns unterrichtet hatte. Mir fiel mehr als ein Stein vom Herzen. Je mehr ich mich löste, desto aufmerksamer wurde Fuego. Nadja beurteilte Fuego nicht als schwierig. Sie meinte ruhig, er ist ein sehr empfindsames Pferd und wird es immer bleiben. Doch wenn wir ganz bei ihm sind, können wir auch von ihm erwarten, dass er ganz bei uns ist. Das klang mir sehr vertraut und ich fand den Glauben an mich und Fuego zurück. Und wieder wendete sich das Blatt. Jetzt ritt ich Fuego täglich mit neu erwachter Hingabe in vertrauter Manier, anfangs allein nur im Schritt. In der zweiten Stunde mit Nadja fühlte ich mich schon zurückversetzt nach Cartaxo, wir ritten Seitengänge und Volten im Trab und auch Fuego fühlte sich plötzlich wieder "daheim". Doch ich kämpfte noch immer damit, ihn 100% für mich zu gewinnen und Nadja bot an, ihn zusätzlich in Beritt zu nehmen. Ich war begeistert über so viel Unterstützung und wieder machten wir einen großen Sprung nach vorne. Sie stellte fest, dass Fuego im Genick noch stark verspannt ist und mit geduldigen Abkau-Übungen lockert Fuego sich langsam von selbst - was auch eindeutig auf sein Gemüt schlägt, denn nach jeder Stunde wirkt er zufriedener und gelöster. Schon beim zweiten Beritt konnte Nadja Fuego ganz für sich gewinnen, ich konnte es kaum fassen. Obwohl wir noch keine 2 Monate zusammen arbeiten, benimmt sich Fuego bereits wie ein richtiges Reitpferd und wir arbeiten schon am erhaben-kadenzierten Trab und runderem Galopp! Was mich an Nadja fasziniert sind nicht nur ihre Ruhe, Souveränität, Klarheit sowie ihr Respekt und spürbare Leidenschaft für Pferde. Sie unterrichtet mit ganzer Seele im Spirit von Manuel Jorge de Oliveira, weil sie im Innersten davon überzeugt ist, dass seine Lehre die einzig wahre Reitlehre ist und sie durch die Pferde, sei es beim Beritt oder im Unterricht, spürt, dass es so ist. Ich freue mich auf jede Stunde mit ihr und bin sicher, dass wir Fuego’s großartiges Potential Schritt für Schritt fördern und ihn im besten Sinne pferdegerecht ausbilden können. Er hat schon angefangen, mit uns zu tanzen :-).
Vielen Dank liebe Nadja, dass Du uns so großzügig Dein ganzes Können schenkst!
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